8. März 2016

Alles Gute zum Weltfrauentag! Oder?

Heute Morgen habe ich eine Email vom dm Drogeriemarkt bekommen. Betreff: "Alles Liebe und Gute zum Weltfrauentag". Das klingt erstmal nett. Warum es mich trotzdem wütend macht? Die Nachricht und der dazugehörende Artikel auf der Website machen aus dem Weltfrauentag ein oberflächliches Konsumfest. Das kennen wir doch schon... vom Valentinstag zum Beispiel. Ganz bestimmt von Weihnachten.
Der Internationale Frauentag wurde aber nicht ins Leben gerufen, um "Karrierefrauen", die figurwirksam auf High Heels stöckeln, mit einem erholsamen Fußbad aus der Drogerie zu etwas Entspannung zu verhelfen. Dann werfen wir noch ein bißchen "Food-Shaming" in den Topf mit einem "leckeren Schokoladenkuchen für alle Fashionistas, die der Figur zuliebe viel zu oft auf's Dessert verzichten". Newsflash, liebe Carina Feichtinger, die diesen Artikel verfasst hat: Um "Fashionista" zu sein, muss man nicht Größe 32 tragen, und Schokoladenkuchen (und auch kein anderes Nahrungsmittel) muss man auch nicht mit Scham belegen, um uns zu sagen, heute zum Weltfrauentag dürfen wir uns aber mal was gönnen und das schlechte Gewissen für ein paar Stunden mit einem guten Buch betäuben! Ich freu mich auch schon darauf, Frauen, die nicht einmal wissen, was der Weltfrauentag ist, geschweige denn heute viel zu feiern haben, daran zu erinnern, dass sie sich mal wieder ein sinnliches Vollbad genehmigen sollen, dazu ein Gläschen Sekt, und der Alltag schaut nach 14 Stunden in der Fabrik schon gar nicht mehr so schlimm aus!

Internationaler Frauentag
Der Frauentag als sozialistische Initiative wurde ursprünglich ins Leben gerufen, um Frauenrechte zu unterstützen, fürs Wahlrecht und die Emanzipation von Arbeiterinnen zu kämpfen.


Privilegien über Privilegien

 

Beispiele wie dieses zeigen mir vor allem, wie gut es uns geht. Wie privilegiert wir hier sind. Denn Millionen von Frauen können sich heute weder Schokokuchen noch Champagner gönnen oder auch nur die Füße hochlegen. Jaja, immer diese Meckerer mögen sich manche jetzt vielleicht denken, immer diese Miesmacher und politisch Korrekten. Ganz ehrlich: Wenn ich auch nur ein kleines bißchen positiv verändern kann, lasse ich mich gerne als Meckerer bezeichnen. Und für mich ist der heutige Weltfrauentag eben kein Tag, um mich mit Schokokuchen und Shopping zu "belohnen", sondern ein Anlass, auf noch immer bestehende Ungleichheit aufmerksam zu machen, auf Herausforderungen, die noch immer zu meistern sind, und darauf, diesen Tag als Anlass zu sehen, meine Privilegien nicht in einem Schaumbad zu genießen, sondern zu nutzen, um positive Veränderungen anzustoßen.

Dabei geht es mir nicht darum, die heldenhafte weiße Retterin der Unterdrückten, Witwen und Waisen zu sein. Frauen überall sind starke Heldinnen, die jeden Tag Außergewöhnliches leisten. Wenn ich aber Unterstützerin sein kann, und eine Möglichkeit sehe, das Leben anderer Menschen ein bißchen besser zu machen, anstatt in meinem bequemen Sessel zu sitzen und Netflix zu schauen, dann tu ich das gerne. Gestern habe ich ein wenig über Feminismus geredet. Dieser bedeutet für mich vor allem, aktiv zu werden und Dinge zu bewegen, zu verändern, zu verbessern, anstatt bei Facebook im exklusiven kleinen Kreis, der sich ohnehin schon einig ist, übers Patriarchat zu diskutieren. Versteht mich auch hier nicht falsch, übers Patriarchat zu diskutieren kann sehr wichtig, notwendig und sinnvoll sein. Manchmal ist es aber auch wichtig, notwendig und sinnvoll, den Hintern hoch zu bekommen und etwas zu TUN.

Etwas tun ist nicht immer einfach, und manchmal laufen wir auch Gefahr, in blinden Aktionismus zu verfallen, der am Ende keinem nützt außer vielleicht unserem Gewissen. Eine Hilfsaktion kann schwierig sein, und nicht immer zu realisieren, und manchmal stellt sich eine prima Idee, die man bei einem Glas Wein hatte, nüchtern betrachtet als wenig sinnvoll heraus. Bei uns fing auch alles mit einer Idee an. Wir haben diese genau betrachtet und analysiert, manches verworfen, anderes geändert, und jetzt eine Hilfsaktion gestartet, die wir für in der Tat sehr sinnvoll halten. Lasst mich ein wenig ausholen:

Wir und unser Hilfsprojekt in Nigeria

 

Wir, das sind mein Partner Ifeanyi und ich. Ich habe Ifeanyi vor einiger Zeit über eine Website für internationale Brieffreundschaften kennen gelernt, und sehr schnell ist eine innige Freundschaft daraus geworden. Letzten Herbst bin ich seiner Einladung gefolgt und bin nach Nigeria gereist, um ihn und seine Familie endlich persönlich zu treffen. Für 5 Wochen bin ich eingetaucht und habe selbst erfahren, wovon er mir schon so viel erzählt hatte. Von Abuja ging es nach Calabar, wo wir gemeinsam über die Geschichte der Sklaverei recherchiert haben, dann weiter nach Umuahia und ins dortige Umland, wo ich einige Schauplätze des Biafra-Krieges 1967-70 besucht und mein Wissen über diesen beim Besuch des "National War Museum" und des Bunkers des damaligen Offiziers Ojukwu vertieft habe, was wunderbar zur Lektüre von Chimamanda Ngozi Adichies Buch "Half of a Yellow Sun" gepasst hat, das ich zu der Zeit gelesen habe.
In Ozu Abam hat uns sogar der amtierende König empfangen und uns von seinen Erlebnissen im Biafra-Krieg erzählt - eine Erfahrung, die ich nicht vergessen werde.
Zurück in Abuja, Nigerias Hauptstadt, haben wir einer Gruppe junger Leute spontan beim Bau eines Spielplatzes für Kinder einer Grundschule geholfen, ein aufregender langer schöner Tag, der ebenso unvergesslich bleiben wird. 

Was mir persönlich auf dieser Reise immer wieder deutlich bewußt geworden ist, wohl, weil ich sensibel für Themen zu Frauengesundheit und Frauenrechten bin, ist, dass Frauen oft kaum oder keinen Zugang zu Monatshygieneprodukten haben. Was für uns selbstverständlich ist - uns jeden Monat passende Produkte kaufen zu können, und dabei auch noch aus einer breiten Palette das für uns Beste auszusuchen - ist es anderswo in der Welt eben nicht. In letzter Zeit, scheint mir, rückt das immer mehr ins Bewußtsein, zumindest finde ich laufend Artikel, die sich dem Thema annehmen. Manche Unternehmen unterstützen Frauen, spenden zum Beispiel für jede verkaufte Packung Tampons eine an obdachlose Frauen. Das Projekt "The Cup", das Schulmädchen in Kenia mit Menstruationstassen unterstützt, hat uns direkt inspiriert. Denn meine Menstruationstasse war mir auf dieser Reise eine sehr wertvolle Begleiterin! Es war Gold wert, diese morgens und abends zuhause zu wechseln, und den ganzen Tag sicher zu sein, denn unterwegs eine öffentliche Toilette zu finden, um Binden oder Tampons zu wechseln, ist manchmal schlicht unmöglich. So enstand die Idee, Frauen mit Menstruationstassen zu unterstützen.

Wo und wie sinnvoll helfen

 

Nun macht es natürlich keinen Sinn, eine Ladung Menstassen zu kaufen und einfach ein paar Frauen hinzustellen. Deswegen fingen wir an zu recherchieren, ob und wo eine derartige Hilfe nützen kann, und wo sie am dringendsten gebraucht wird. Wir haben evaluiert, ob Menstruationstassen überhaupt auf Interesse stoßen und ob die nötigen hygienischen Grundvoraussetzungen erfüllt sind. Denn auch wenn ich sie für ein geniales Produkt halte, muss das ja nicht automatisch bedeuten, dass andere Frauen das auch so empfinden. Wir haben überlegt, ob waschbare Binden eventuell besser wären, diesen Gedanken jedoch fürs erste wieder verworfen, da diese keine Lösung für ein großes Problem bilden: Binden sind nach wenigen Stunden "durch", oft besteht das Problem, tagsüber bei der Arbeit oder in der Schule keinen Toilettenraum aufsuchen zu können, um zu wechseln, Binden bieten keinen zuverlässigen Schutz vor Flecken, und all das sind Gründe, die Mädchen und Frauen während ihrer Periode vom alltäglichen Leben ausschließen können. Mädchen versäumen laut einer Studie (pdf!) durch UNICEF bis zu 20% wertvolle Schulzeit, weil sie während ihrer Periode zuhause bleiben, aus Angst vor Flecken und dafür ausgelacht zu werden, weil sie keine oder kaum geeignete Produkte haben, um das Menstruationsblut überhaupt aufzufangen, und auch, weil sie in der Schule keine Möglichkeit haben, überhaupt Binden zu wechseln. Für viele Frauen und Mädchen sind Monatshygieneprodukte wie Binden schlicht nicht leistbar. Frauen, mit denen wir gesprochen haben, wussten zum Teil gar nicht, dass es entsprechende Produkte gibt, und behelfen sich mit Lumpen, Stücken alter Kleidung oder Papier.

Eine Menstruationstasse hat entscheidende Vorteile:
  • Sie hält mehrere Jahre, das heißt die Frauen müssen sich lange Zeit nicht um Monatshygieneprodukte sorgen. Würden wir einfach Wegwerfprodukte wie Tampons und Binden verteilen, wären diese bald aufgebraucht und der Bedarf würde nie enden.
  • Sie bietet zuverlässigen Schutz für bis zu 12 Stunden am Stück, währenddessen man sich keine Sorgen um Auslaufen oder Flecken machen muss
  • Sie sind, Zugang zu sauberem Wasser vorausgesetzt, einfach in hygienischem Zustand zu halten. Dazu wird die Tasse einfach regelmäßig in Wasser ausgekocht. 
  • Sie verursacht keinen Müll. Abfallentsorgung ist oft schwierig in Nigeria, Müll stellt ein großes Problem dar. Wegwerfbinden und Tampons verursachen jedoch einen riesigen Müllberg im Laufe der fruchtbaren Jahre jeder Frau. 

Daher denken wir, dass Menstassen ein gut geeignetes Produkt sind, um vielen Frauen zumindest aus dieser Misere zu helfen. Und wenn kein Geld mehr für Binden ausgegeben werden muss, bleibt auch mehr für die anderen Lebensbedürfnisse zur Verfügung. Mir gefällt der Gedanke ganz und gar nicht, dass eine Frau entscheiden muss, ob sie lieber Essen auf den Tisch stellen oder ein paar Binden kaufen kann.

menstrual cup
Hier geht es zu einem Artikel der Huffington Post zum Thema

Die Neinsager und KritikerInnen 

 

Die Neinsager, denen ich im Laufe der Arbeit an diesem Projekt schon begegnet bin, argumentieren gern, dass "diese Frauen" kein "internes" Produkt, also eines, das in die Vagina eingeführt wird, anwenden werden. Wir sollen doch, wenn überhaupt, lieber Stoffbinden verteilen. Dazu kann ich drei Dinge sagen:
  • Wir haben mit einigen Frauen vorab gesprochen, und haben bisher fast ausschließlich positive Reaktionen bekommen. Das Interesse an einem guten Produkt ist groß, und die Bereitschaft, die Tassen auszuprobieren, ist da. Uns ist bewußt, dass ziemlich wahrscheinlich nicht alle Frauen, die wir ansprechen, eine Tasse annehmen werden, das ist in Ordnung und hier im Übrigen auch nicht anders. Seit ich meine Tasse habe, bin ich nicht müde geworden, sie weiter zu empfehlen, weil sie meine Periode entscheidend einfacher gemacht hat und so viele Vorteile bietet. Trotzdem finden viele Frauen auch hier die Vorstellung eklig und wollen nichts davon wissen. Oder sie wollen prinzipiell keine Dinge in der Vagina tragen. Wenn wir aber nur für eine handvoll Frauen damit das Leben einfacher machen und verbessern können, haben wir viel erreicht. Selbst wenn es nur eine einzige wäre, haben wir für sie etwas entscheidendes verändert. 
  • Zu den Menstassen gehört auch, die Frauen über ihre korrekte Anwendung aufzuklären. Ich habe hierzu auch einige Gespräche geführt, und wurde bestätigt, dass dazu schon gehören kann, grundlegende Anatomie zu erklären. Noch immer ist der weibliche Körper weltweit mit Tabus belegt, übrigens auch hier, und die Tassen sind eine gute Möglichkeit, hier wertvolle Aufklärungsarbeit zu leisten. Ich halte es für wichtig, zu wissen, wie mein eigener Körper funktioniert, und finde, jede Frau sollte über ihre Anatomie Bescheid wissen und erfahren, dass ihre Menstruation ein ganz natürlicher Vorgang im Körper ist, für den sich niemand schämen müssen soll. Zu diesem Projekt gehört für uns auch, diese Aufklärungsarbeit so gut wir können zu leisten. Wir werden hierfür Hilfe von Frauen vor Ort haben, die uns auch helfen, kulturelle und Sprachbarrieren zu überwinden. Der Plan ist, in kleinen Gruppen zu arbeiten und auch, persönliche Gespräche "von Frau zu Frau" zu führen, wenn das gewünscht wird. Wir wollen den Frauen eine Hilfe anbieten, ob und wie weit sie sie annehmen, können sie selbst entscheiden. 
  • Erzielen wir eine Veränderung, wenn wir immer nur das Alte weiterführen? Mag sein, dass Stoffbinden erstmal einfacher angenommen werden, weil sie schon bekannt sind. Wie bereits gesagt sind sie aber keine Lösung für eine Reihe von Problemen, die bestehen. Wer wirklich etwas verbessern will, muss auch etwas Neues wagen. Dabei stoßen wir auch auf Widerstand, klar. Veränderungen können unheimlich sein oder sogar Angst machen. Nicht jede/r wird sie mitmachen. Unser Ziel ist aber nicht, die Neinsager zu bedienen und alles beim Alten zu lassen, sondern für diejenigen, die es möchten, eine positive Veränderung zu bewirken. 

 

Das IDP Camp bei Abuja

 

Wir haben uns Gedanken gemacht, wie wir die Vorzüge der Tassen für bedürftige Frauen zugänglich machen können und wo diese am nötigsten gebraucht würden. Es gibt in Nigeria leider viele Möglichkeiten, die größte Tragödie spielt sich derzeit jedoch vermutlich im Norden des Landes ab, wo aufgrund des Terrors der islamistischen Boko Haram Gruppe seit etwa 2010 rund 1,5 bis 2 Millionen Menschen ihr Zuhause verloren und fliehen mussten. Diese Flüchtlinge werden "internally displaced persons", kurz IDPs, genannt. Der breiten Öffentlichkeit wurde Boko Haram auch durch die Entführung hunderter Mädchen bewußt, von denen bisher nur wenige befreit werden konnten. Als Terroristen im Januar 2015 die Büros der Satirezeitschrift "Charlie Hebdo" in Paris stürmten und 12 Menschen ermordeten, starben zur gleichen Zeit rund 2000 Menschen durch Boko Haram. Die Terrororganisation soll sich 2015 offiziell der Terror-Miliz „Islamischer Staat“ (IS) angeschlossen haben. Regelmäßig kommt es im Norden des Landes zu Anschlägen, zu denen sogar junge Mädchen benutzt werden – eine Selbstmordattentäterin in Kano war gerade mal 11 Jahre alt. Tausende Menschen haben ihr Leben verloren und wurden ermordet, vor allem Christen, aber auch Muslime, die die Sekte nicht unterstützen wollen.

idp camp abuja
Photo aus dem IDP Camp, aufgenommen beim letzten Besuch

 Eines der Flüchtlingscamps befindet sich am Rand der Hauptstadt Abuja. Bei mehreren Besuchen dort konnte Ifeanyi mehr über die Zustände erfahren. Derzeit leben knapp 1000 Menschen in dem Lager, das aus improvisierten Unterkünften und Zelten besteht. Das Camp wurde bereits im Jahr 2013 errichtet und wird vor allem von Flüchtlingen aus den Bundesstaaten Borne, Yobe, Adamawa und Bauchi bewohnt. Viele von ihnen sind Farmer, eine Arbeit zu finden ist sehr schwer. Fast alle von ihnen haben unvorstellbare Gräuel durch Boko Haram erlebt und Familienangehörige und Freunde verloren.
Jüngst gab es einige kleine Verbesserungen, die Wasserversorgung wurde durch eine Pumpe mit Generator und eine kleine Solaranlage ausgebaut, so dass zumindest stets Zugang zu sauberem Wasser besteht. Es gibt jedoch nahezu keine medizinische Versorgung, zwar gibt es einen Container mit der Aufschrift „Klinik“, doch ist er offensichtlich noch nicht in Betrieb, ab und zu kommen Ärzte für einfache Untersuchungen, doch die Versorgung mit Medikamenten ist unzureichend, Malaria und Typhus gefährden vor allem die Kinder.
Mittlerweile gibt es eine kleine Schule im Freien unter einem Baldachin für die jüngeren Kinder etwa bis Grundschulniveau, eine Organisation versucht, weitere Schulbildung zu ermöglichen. Andere Helfer organisieren berufsbildende Trainings, an denen ein paar der Bewohner jeweils teilnehmen können.
Da jedoch kaum jemand Arbeit findet, um für den eigenen und den Lebensunterhalt der Familie aufzukommen, sind das Camp und seine Bewohner nahezu ausschließlich auf Hilfe von außerhalb angewiesen. Es besteht Bedarf für viele Arten von Unterstützung und Hilfe, wir haben uns entschieden, mit der Unterstützung der Frauen anzufangen.

idp camp abuja nigeria


"Luv Ur Body" Menstruationstassen - unsere wertvolle Unterstützerin

 

Wir freuen uns riesig, mit "Luv Ur Body" eine perfekte Unterstützerin gefunden zu haben. Diese Menstruationstassen, seit 2014 am Markt, haben sich bereits gut etabliert, sind hochwertig und - das Unternehmen hat seinen Sitz in Nigeria. Ich habe persönlichen Kontakt zur Inhaberin, die mir auch mit Rat zur Seite steht, und sie wird uns die Tassen zu besonderen Konditionen zur Verfügung stellen. Das bedeutet für uns, noch effektiver arbeiten zu können, denn
  • Wir sparen Geld für Transport, Versand, Steuern, Gebühren und Zölle, und können die gesparten Kosten wieder direkt dort verwenden, wo Hilfe benötigt wird. 
  • Da wir die Tassen vor Ort kaufen können, können wir genau die Menge besorgen, die dann auch gebraucht wird, so wird nichts verschwendet. Wenn wir mehr Spenden haben als wir für die Tassen und deren Drumherum benötigen, können wir mit dem Rest andere, dringend benötigte Dinge besorgen, wie Windeln, Schulmaterialien für die Kinder oder auch einfach Lebensmittel. 
  • Anstatt die Tassen hier zu kaufen und nach Nigeria zu schippern, unterstützen wir ein junges Unternehmen vor Ort, und helfen im Gegenzug auch ihr, das Leben für Frauen in Nigeria und weltweit durch Menstassen zu vereinfachen und zu verbessern. 
  • Wir können vorab die Frauen befragen um heraus zu finden, welche Tassengröße jeweils am besten ist - damit nachher auch alles passt!

luv ur body menstruationstasse
"Luv Ur Body" Menstruationstasse

 Du möchtest helfen? 

 

So, jetzt habe ich jede Menge geredet, gehen wir endlich ans Eingemachte. Ifeanyi und ich haben einen Fundraiser gestartet, um die nötigen Spenden zu sammeln, denn alleine können wir das nicht finanzieren. Dafür brauchen wir Dich! Dir gefällt unser Projekt? Dann unterstütze uns mit einer Spende! Zusammen können wir viel erreichen! Auf unserer Fundraising-Seite findest Du alle wichtigen Informationen auf englisch und deutsch, sowie die Möglichkeit, direkt zu spenden. Wir halten Dich mit Updates auf dem Laufenden und werden auch ausführlich über unsere Aktion berichten, wenn es soweit ist, damit Du auch siehst, wohin Deine Spende fließt. Das ist uns sehr wichtig. Ich persönlich unterstütze fast ausschließlich kleinere Projekte, denn bei diesen kann ich sehen, was mit meiner Spende gemacht wird und welche Auswirkung sie hat, anstatt mein Geld in einem Verwaltungsapparat großer Organisationen verschwinden zu lassen. Sicher, kein Hilfsprojekt kommt ohne Verwaltungsaufwand aus, das merken wir gerade selbst sehr deutlich, und eine gute Planung ist immens wichtig, um Erfolg zu haben. Gerade kleinere Projekte, die persönlich motiviert sind, finde ich oft aber viel effektiver, wenn sie von Leuten gemacht werden, die die Umstände vor Ort kennen und wissen, wo und wie man am besten etwas tun kann.

Wir danken riesig für jede noch so kleine Spende! Und wenn Dir unser Projekt gefällt, erzähl es weiter! Damit wir gemeinsam etwas Verändern! 

Du hast Fragen? Sende mir eine Nachricht bzw. schreibe mir einen Kommentar. Wenn Du mir Deine Emailadresse hinterläßt, antworte ich so schnell wie möglich persönlich. Ich moderiere alle meine Kommentare, wenn Du nicht möchtest, dass Deiner öffentlich ist, vermerke das einfach. Ich veröffentliche prinzipiell keine Mailadressen oder persönliche Daten von Lesern.
Wenn Du spenden möchtest, aber die Spendenseite nicht nutzen kannst oder möchtest, melde Dich ebenfalls bei mir.

In diesem Sinne:
Alles Liebe zum Weltfrauentag! (ja, das gilt auch für Männer ;))

Herzlichst,
Klara







7. März 2016

DIY-Feminismus? Persönliches... und selbst gemachtes

Da, ich habe es gesagt, das schlimme F-Wort: Feminismus. Ein Wort, das immernoch und, wie es scheint, immer mehr zu einem Schimpfwort wird. Grundlos, aber effektiv um die Forderung nach Gleichberechtigung, die es noch immer nicht gibt, abzutun und abzuwerten. Dabei ist es eigentlich ganz einfach, und schon Caitlin Moran hat es in ihrem humorvollen Buch "How to be a woman" simpel erklärt: Findest Du, Männer und Frauen sollten in allen Dingen gleichberechtigt sein? Ja? Herzlichen Glückwunsch, Du bist FeministIn!

Was hat aber jetzt Feminismus und Gleichberechtigung mit Do It Yourself zu tun? Ist nicht Handarbeiten, wie Häkeln, Stricken, Nähen und Sticken etwas ganz fürchterlich rückständiges und anti-feministisches? In der Kunstgeschichte habe ich zum Beispiel gelernt: Handarbeiten wurde zu früheren Zeiten mit Tugend der Frauen gleichgesetzt und abgebildet, und wenn etwa eine Frau auf einer Genre-Szene der niederländischen Malerei ihr Stickzeug zur Seite legt, bedeutet das übersetzt und gedeutet: Diese arme Frau verfällt der Sünde und vielleicht gar außer- oder vorehelichem Geschlechtsverkehr! Ich denke gerade auch an Truhen voll bestickter Wäsche, die in mühevoller Handarbeit von braven Bürgerstöchtern als Aussteuer für die baldige Ehe hergestellt wurde. Hat alles nicht so sehr den Anschein von Frauenrechten und Gleichberechtigung...

jan vermeer van delft herr und dame beim wein
Hier wird schon Wein getrunken... ganz gefährlich!


Aber ist das wirklich so? Hat sich nicht unsere Rezeption von Handarbeiten geändert? Ist Handarbeit nicht außerdem mehr als Stricken und Häkeln? Ich finde, Handarbeit und "Empowerment" gehen Hand in Hand. Und nicht erst seit gestern können Handarbeiten eine Möglichkeit für Frauen sein, ihr eigenes Geld zu verdienen und von Heirat und Verdienst des Mannes unabhängig zu sein. Das erfordert aber auch, dass wir Handarbeiten als hochwertige Erzeugnisse ansehen, die eine angemessene Bezahlung verdienen.

Ist Handarbeit "unemanzipatorisch"? Ein entschiedenes Nein! Und wir können viel mehr als Stricken und Sticken. Wir handwerken, sägen, bohren, hämmern, bauen, wir schreiben, filmen, malen, illustrieren und nehmen die Dinge sprichwörtlich selbst in die Hand. Handarbeit ist selbstbestimmend. Und wir können viel bewegen mit Projekten, die wir ins Leben rufen. Ob das eine Strickgruppe ist, die sich zum gemütlichen Plausch trifft und nebenbei Mützen, Schals und Handschuhe für Obdachlose strickt, oder eine Frau, die mit Handarbeiten ein eigenes Unternehmen gründet, mit tugendhaftem Zuhause sitzen hat das nicht viel gemein. Und das ist gut so! Feminismus und DIY gemeinsam sollen auf meinem Blog unbedingt mehr Raum bekommen.

DIY-Charity


Ich selbst habe in den letzten Wochen viel an einem DIY-Projekt einer anderen Art "gebastelt": Zusammen mit meinem Partner in Nigeria habe ich ein Charity-Projekt gestartet, um Frauen zu helfen, die in einem Flüchtlingscamp nahe Abuja leben. Die Menschen, die dort leben, "IDPs" (=internally displaced persons), haben durch den Terror der radikalen Boko Haram Gruppe im Norden Nigerias ihr Zuhause verloren. Das Camp und seine Bewohner sind weitgehend auf Unterstützung von außerhalb angewiesen. Mein Partner hat das Camp mehrfach besucht und mit den Frauen dort gesprochen, um sicherzugehen, dass wir auch Hilfe leisten (können), die benötigt und gewünscht wird. Etwas, das ein großes Problem darstellt, ist Monatshygiene. Die Frauen haben kaum oder keinen Zugang zu geeigneten Hygieneprodukten, müssen sich mit Lumpen oder Stücken alter Kleidungsstücke behelfen. So kam, inspiriert vom Projekt "The Cup", das Schulmädchen in Kenia mit Menstruationstassen versorgt, die Idee, den Frauen im IDP Camp mit Menstassen zu helfen. In Vorabgesprächen zeigten sie sich interessiert, diese auszuprobieren, und bestätigten uns damit, unsere Idee weiter zu verfolgen. Jetzt haben wir einen Fundraiser gestartet, um die dringend benötigten Spenden zu sammeln, um das Projekt zu finanzieren.

Ich hätte nicht gedacht, dass es so viel Arbeit ist, derartiges zu verwirklichen. Glaubt mir, es ist sogar mehr. Unser "Tassen-Projekt" und mein übliches Arbeitspensum unter einen Hut zu bekommen, war nicht immer einfach in den letzten Wochen, und dann kam häufig auch noch das Leben dazwischen. Im Januar ist mein geliebter Kater schwer erkrankt, und trotz intensiver Pflege am 24. Februar gestorben. Das hat mich in den letzten Wochen sehr bedrückt und sehr geschlaucht. Und ich vermisse ihn wahnsinnig. Ein wenig hilft jetzt die viele Arbeit.

Kater Mika EKH Katze
Mein Kater mit dem unrühmlichen Spitznamen "Pupsi"... wegen häufiger Flatulenzen als Katzenkind :)


Morgen, passend zum internationalen Frauentag, werde ich ausführlich hier über unser Vorhaben berichten. Wer jetzt schon neugierig ist, kann gerne zu unserer Spendenseite klicken! Dort gibt es ausführliche Infos auf englisch und deutsch, sowie natürlich die Möglichkeit, uns darin zu unterstützen. Für heute muss ich etwas früher Feierabend machen. Ein wenig DIY-Entspannung gehört zum Leben schließlich auch dazu!

Bis morgen!

Herzlichst,
Klara

20. Februar 2016

Hoch die Tassen!

Eigentlich hat dieses Thema ja auf den ersten Blick nicht so sehr viel mit meinem Blog zu tun, aber dann irgendwie doch - heißt er schließlich "cherchez la femme!" Und um ein großartiges Produkt für Frauen handelt es sich hier, das ich einfach weiter empfehlen muss! Und zwar: Menstruationstassen!

Viele werden sich immer noch fragen: Was bitte ist das? Denn auch wenn es die Tassen schon sehr lange gibt, meines Wissens wurden sie in den 1930ern erfunden, sind sie der breiten Öffentlichkeit nach wie vor nicht sehr bekannt. Das ändert sich zum Glück nach und nach, und zwar vor allem über Mundpropaganda, denn viele Frauen, die die Tassen ausprobieren, sind so glücklich damit, dass sie gerne davon erzählen. Und ich finde, es ist auch an der Zeit, die Menstruation nicht (mehr) als etwas "schmutziges" oder gar etwas, wofür man sich schämen müsste, zu sehen. Sie ist ein ganz natürlicher Vorgang im Körper, über den ohne Scheu und Scham geredet werden kann.

Eine Menstruationstasse also ist ein etwa kegelförmiges, tatsächlich tassenartiges bzw. becherförmiges Teil, meist aus Silikon oder medizinischem Kunststoff, mittlerweile seltener aus Latex, das das Menstruationsblut auffangen soll. Die Tasse wird mit der Öffnung nach oben in die Vagina eingeführt, wo sie durch einen leichten Unterdruck sicher an ihrem Platz gehalten wird. Das Blut sammelt sich in der Tasse, und wird nach einigen Stunden einfach entleert, ausgewaschen und wieder eingesetzt. Das erstmal in Kürze, damit man weiß, worum es geht.

Menstruationstassen Meluna
Menstruationstassen von MeLuna mit verschiedenen "Rückholhilfen" und in bonbon-bunten Farben :)

  Auf der Suche nach einer guten Menstruationstasse bin ich auf MeLuna gestoßen. Die Tassen "made in Germany" sind latexfrei (wichtig für Allergikerinnen!) und aus hochwertigem medizinischem Kunststoff, lange haltbar (5-10 Jahre!), nicht allergen, und es gibt sie in vielen bunten Farben, verschiedenen Größen und "Härtegraden" und mit verschiedenen "Rückholhilfen". Die Website von MeLuna hat mich sofort angesprochen, und man findet dort sehr ausführliche Informationen darüber, was eine Menstruationstasse ist, wo die Unterschiede liegen, wie man sie benutzt und und und, das alles mit ansprechendem Layout, wirklich sympathisch.Besonders gut gefallen hat mir auch der sehr hilfreiche Größenberater, der mir schnell geholfen hat, die richtige Tasse zu finden. Auch die verschiedenen "Griffe" haben mir gut gefallen und ich habe mich für meine erste Tasse für eine violette Größe M mit Ring entschieden.

Es gibt jedoch noch viele andere Hersteller, wie Lunacup, Ladycup, Divacup, Rubycup, Lunette und einige mehr. Die Entscheidung ist also nicht unbedingt leicht :)


Vorteile der Menstruationstassen


Die Tassen haben gegenüber Tampons und Binden entscheidende Vorteile:

- Die Tasse ist natürlich wiederverwendbar und hält bei guter Pflege 5 bis 10 Jahre! Ich mag gar nicht ausrechnen, wieviele Tampons ich in dieser Zeit verbrauchen würde... so entlastet sie die Umwelt auch gewaltig und spart jede Menge Müll.

- Eine Cup ist bisher noch nie mit dem berüchtigten TSS in Verbindung gebracht worden, das bei Tamponverwendung auftreten kann und lebensbedrohlich ist.


- Keine Probleme mehr, auf öffentlichen Toiletten oder bei Freunden/Verwandten etc. Päckchen mit eingewickelten Tampons oder Binden entsorgen zu müssen (was vielen Frauen peinlich ist)

- Die Meluna muss viel seltener gewechselt werden als Tampons oder Binden. Selbst an den stärkeren Tagen reicht es bei mir in der Regel aus, sie morgens und abends zu entleeren. So muss ich unterwegs gar nicht mehr mit Tampons hantieren, sondern kann das stets ganz in Ruhe zuhause machen.


- Tampons trocknen die Vagina aus, da sie nicht nur Blut sondern generell alle Feuchtigkeit aufsaugen. Viele Frauen haben daher Probleme mit einer gestörten Scheidenflora und im schlimmsten Fall auch Infektionen. Die Tasse dagegen kann sogar schon "auf Verdacht" eingesetzt werden, was man mit Tampons nie machen sollte. D.h. wenn man weiß, dass man wohl innerhalb der nächsten Stunden die Tage bekommen wird, kann man die Tasse schonmal einsetzen und vermeidet Malheurs, besonders wenn man unterwegs ist.


- Auch die Tasse ist bei richtiger Anwendung nicht zu spüren und ist wegen der größeren Aufnahmefähigkeit sicherer. Tampons werden schnell mal "undicht"...

- Man kann mit der Meluna problemlos schwimmen gehen, ich habs erprobt - und viele andere auch!

- Wenn man sich mit der Anwendung vertraut gemacht hat, geht das Wechseln ganz einfach und schnell und schmerzlos - während gerade gegen Ende der Periode das Tamponwechseln durchaus auch schmerzhaft sein kann, wenn man ihn quasi fast "trocken" einführen oder entfernen muss.

- Bei der Verwendung von Tampons bleiben immer winzige Fasern des Materials zurück, meist gebleichte Watte. Und es ist natürlich nicht auszuschließen, dass Tampons Rückstände von Bleichmitteln etc. enthalten, die ganz bestimmt nicht in den Körper gehören...

- Und nicht zuletzt spart man eine Menge Geld. Die MeLuna ist sogar besonders günstig, ich habe mit Versand ca. 17€ gezahlt (andere Fabrikate können auch um die 30€ kosten). Das klingt vielleicht erstmal viel, wenn man jedoch bedenkt, dass man die nächsten Jahre keine Tampons und/oder Binden mehr kaufen muss, rechnet sich diese Investition sehr schnell. Die Meluna gibt es in den gängigsten Größen mittlerweils sogar beim dm-Markt.

- Und was ich auch positiv finde: Ich habe das Gefühl, noch vertrauter mit meinem Körper zu sein, und damit, was er so macht. Man bekommt erst einen Eindruck, wieviel Blut und Gewebe man da regelmäßig verliert. Klingt vielleicht etwas makaber, aber ich weiß einfach gern, was in meinem Körper so passiert :)

Bedenken? - Ausgeräumt!

Viele Frauen haben erstmal Bedenken, wenn sie von dem Prinzip der Menstruationstasse hören, finden es eklig oder haben keine Idee, wie sie damit zurecht kommen sollen. Ich helfe gerne, solche Bedenken auszuräumen.
Ich finde es wirklich nicht schwierig, die Tasse zu handhaben. Das Einsetzen und Entfernen (dazu gleich mehr) erfordert am Anfang sicher etwas Übung, wenn man sich aber daran gewöhnt und den "Dreh raus" hat, geht das ganz einfach. Ich fand auch Tampons am Anfang ganz furchtbar und kam gar nicht zurecht, als ich aber dann rausgefunden hatte, wies am besten geht, wollte ich sie nicht mehr missen. Jetzt gebe ich meine Tasse nicht mehr her.
Ich finde auch das Entleeren des Blutes nicht unangenehmer oder schlimmer, als Tampons oder Binden zu entsorgen, im Gegenteil, es ist nichts Ekliges daran, alles ganz natürlich. Außerdem hat man keine benutzten Tampons oder Binden mehr im Mülleimer liegen. Und auch wenn die Tasse auf den ersten Blick groß ausschauen mag, man spürt sie tatsächlich nicht. Wenn man sich mit der Anwendung vertraut gemacht hat, ist die Tasse sehr sicher und "dicht", ein Malheur ist mir erst einmal passiert, und da war ich vermutlich nicht sorgfältig genug beim Einsetzen. Und die Tasse ist durchaus hygienisch, denn am Ende der Menstruation und bevor ich sie das nächste Mal wieder verwende, koche ich sie einfach einige Minuten in Wasser aus. Wer möchte, kann auch eine spezielle Desinfektionslösung verwenden, die bei den Herstellern der Tassen meist auch erhältlich ist, Auskochen reicht aber eigentlich aus. Gelegentlich kann man seine Tasse auch mit milder Seife auswaschen.

menstruationstasse reinigung
Es gibt auch Becher für die Tassen, in denen man sie in einer speziellen Reinigungsflüssigkeit desinfizieren kann. Auskochen reicht aber auch!

Viele Frauen haben auch Angst, dass sie die Tasse auf einer öffentlichen Toilette wechseln müssen, und da mit der Tasse zum Waschbecken gehen, um sie auszuwaschen. Wer das nicht möchte, kann die Tasse auch in die Toilette entleeren und sie mit etwas Klopapier auswischen und wieder einsetzen, so muss man seine Kabine nicht verlassen. Manche Frauen haben auch eine kleine Flasche mit Wasser in der Handtasche. Da man die Tasse aber wirklich sehr viel seltener wechseln muss, ist es sehr wahrscheinlich, dass ein Wechseln unterwegs nicht nötig ist, wenn man sich nicht gerade auf einer längeren Reise befindet.
Die Tasse muss natürlich auch nicht bei jedem Toilettengang entfernt werden, wie man das von Tampons ja auch kennt. Ich finde es allerdings sehr viel hygienischer mit der Tasse, denn salopp gesagt: Mich hat es schon immer irgendwie gestört, dass man ja doch immer auf das Tampon-Rückholbändchen pinkelt. Oder mal versehentlich dran zieht und der Tampon verrutscht. Solche Probleme gibts jetzt nicht mehr.
Übrigens finde ich mein Tässchen auch gerade nachts toll. Es ist noch nie was ausgelaufen, die Tasse schließt ja am Rand dicht ab und bleibt durch den leichten Unterdruck am Platz. Ich stelle mir das so vor, dass im Liegen evtl. etwas Inhalt wieder zurück in die Scheide fließt, beim Aufstehen wird das ja aber wieder von der Tasse aufgefangen. Und weil sie viel mehr Flüssigkeit aufnehmen kann, ist sie Tampons eindeutig überlegen. Denn mit denen hatte ich eher das Problem, dass sie am Morgen schon ganz vollgesogen waren und "undicht" geworden sind. Mit der Tasse gabs das noch nie.


Menstruationstasse falten
Verschiedene Falttechniken für das Einführen der Menstruationstasse: C-fold, "punch down" und S-fold


Die Handhabung der Menstruationstasse

Ich hatte vielleicht etwas weniger Startschwierigkeiten, weil ich auch schonmal eine Weile mit einem Diaphragma verhütet habe, da bestehen schon gewisse Ähnlichkeiten. Aber ein wenig üben musste ich schon :)
Zum Einsetzen sucht man sich eine bequeme Körperstellung, ähnlich, wie wenn man einen Tampon einführt. Ich komme am besten in der Hocke zurecht, andere stellen vielleicht ein Bein auf, einfach versuchen, was am besten geht. Mittlerweile kann ich die Tasse sogar stehend in der Dusche wechseln, mit einem Bein auf dem Wannenrand :) Die Tasse wird dann etwas zusammengedrückt - ich "falte" sie immer zu einem C - und dann mit der Öffnung voran und nach oben in die Vagina eingeführt. Es gibt verschiedene "Falttechniken", die in der Anleitung, die in der Regel jeder Tasse beiliegt, sowie auf den Webseiten der Hersteller beschrieben und gezeigt werden. Manche schieben die Tasse recht weit nach oben, mir ist es angenehm, wenn sie weiter unten sitzt, so dass ich das untere Ende mit dem Ring bzw. der Kugel noch gut ertasten kann.
In der Vagina soll die Tasse jetzt "aufplöppen" und sich entfalten, das ist ganz ganz wichtig, sonst ist sie undicht! Ich fahre immer mit einem Finger nochmal am Rand entlang um zu überprüfen, ob sie richtig sitzt, wenn sie nicht ganz aufgeht, hilft es meist, mit dem Finger ein bißchen zu drücken oder nochmal ein wenig zu schieben. Es bildet sich ein leichter Unterdruck, dadurch bleibt die Cup an ihrem Platz und kann nicht herausrutschen. Wenn das alles geklappt hat, muss man viele Stunden nicht mehr dran denken :)
Zum Entfernen gehe ich auch in die Hocke, ich finde es dann ganz leicht. Dann greife ich die Unterseite der Tasse, meine hat dort leichte "Griffrillen", die das festhalten leichter machen, drücke sie dort ein wenig zusammen, was den Unterdruck löst, und ziehe ganz behutsam, während ich mit den Beckenbodenmuskeln ein bißchen "schiebe" (also wie "pressen"). Falls sich der Unterdruck nicht lösen möchte, kann man mit einem Finger den Rand der Cup vorsichtig etwas nach innen drücken. Dann sollte es ein leicht schmatzendes Geräusch geben, und die Cup kann herausgenommen werden. Ausleeren, und unter fließendem Wasser auswaschen, oder mit Toilettenpapier/Kosmetiktüchern o.ä. auswischen (Feuchttücher sind eher weniger geeignet). Ich nehme gern lauwarmes Wasser, dann ist das Einsetzen angenehmer, weil die Tasse nicht so kalt ist. Andere finden es einfacher, die Tasse kalt auszuwaschen und wieder einzusetzen, weil das Material durch die Kälte etwas fester wird, und die Tasse leichter aufploppt. Ganz einfach, oder?

Menstruationstasse sitzt richtig
Der richtige Sitz der Menstruationstasse
 

Ich benutze meine Tasse jetzt seit bald 4 Jahren und ich möchte sie nicht mehr missen! Am Anfang, als ich noch nicht ganz sicher war, habe ich zusätzlich Slipeinlagen verwendet, für alle Fälle, aber es hat gleich prima geklappt. Wenn sie nichts zu tun hat, darf sie in ihrem kleinen Aufbewahrungsbeutelchen, das es dazu gibt, ausruhen. Mittlerweile habe ich eine "MeLuna Sport" mit Kugel und goldenem Glitzer, weil mein Beckenboden durch Pilates doch besser trainiert ist, als ich dachte. Bei dieser ist das Material etwas fester, wodurch sie noch leichter aufploppt.

Durch die Tasse ist meine Periode wirklich sehr viel angenehmer geworden, ich muss viel weniger darüber nachdenken und fühle mich den ganzen Tag und auch nachts sehr sicher.  Bei guter Pflege, das heißt bei mir sorgfältiges Auswaschen nach dem Ende meiner Tage und regelmäßiges Auskochen zu Anfang und Ende der Periode, bleibt sie hygienisch sauber und riecht auch nicht. Unbedingt zu empfehlen!

Übrigens arbeite ich gerade an einer Charity-Aktion, die die Tassen einschließt, denn ich finde, gerade Frauen, die sonst keinen einfachen Zugang zu Hygieneprodukten haben, können von den Tassen sehr profitieren. Noch befinden wir uns in der Planungsphase, sobald es - hoffentlich bald - Neuigkeiten gibt, werde ich berichten!

Also, hoch die Tassen!

Herzlichst,
Klara


(P.S. Diesen Text habe ich in leicht anderer Form im Frühjahr 2014 schon einmal anderswo veröffentlicht, für diesen Beitrag jetzt noch einmal überarbeitet und aktualisiert.)

15. Februar 2016

DIY: Gehäkeltes Halsband aus Spitze

Ich habe noch einige Anleitungen für gehäkelte Schätzchen in meinem Archiv, die einfach zu schade sind, um sie nicht zu teilen. Deswegen möchte ich euch heute ein Spitzen-Halsband vorstellen, das ich vor einiger Zeit anhand einer antiken Häkelanleitung entworfen habe. Die Fächer-Spitze ist ein recht "klassisches" Muster und findet sich in diversen Varianten, diese habe ich etwas verspielter gestaltet, mit kleinen Luftmaschenbögen über jedem Fächer, und für einen schönen Abschluß an den Enden beginnt dieses Halsband mit einem Kreis.

Halsband gehaekelt Spitze
Gehäkeltes Spitzenhalsband nach antiker Vorlage

Wer möchte, wandelt das Halsband um und verwendet die Spitze für andere Projekte! Mit einem etwas dickeren Baumwoll- oder Leinengarn und entsprechend verlängert wird ein Gürtel daraus, der hüftig getragen über einem Rock oder auch zu schmalen Jeans klasse ausschaut! Verlängert und ohne Bindebändchen wird mit einem dickeren, weichen Garn ein schöner "skinny scarf", also ein langer schmaler Schal, daraus. Man kann die Spitze aber auch als Abschluß für feine Handtücher oder Taschentüchlein verwenden, wenn man es ganz "vintage" mag. Auch als breites Haarband kann ich mir diese Fächerspitze sehr gut vorstellen, dazu einfach das Band passend verlängern und/oder die Enden mit einem kurzen Stück Gummiband verbinden, das im Nacken getragen wird und das Haarband anschmiegsam und elastisch macht. Viel Spaß beim Häkeln und Werkeln!

Für dieses Halsband habe ich ein feines Garn aus mercerisierter Baumwolle verwendet, dazu passend eine Häkelnadel 1,25 bis 1,5. Eine Maschenprobe ist nicht erforderlich, da Du die Länge durch die Anzahl der Motive an Deine Bedürfnisse anpassen kannst.

P.S. Wie immer ist diese kostenlose Anleitung für den privaten Gebrauch bestimmt, gewerbliches Nacharbeiten ist nicht gestattet. Wenn Du diese Anleitung gewerblich nutzen möchtest, kontaktiere mich für eine Lizenz. Es ist Dir nicht erlaubt, diese Anleitung oder Teile daraus zu verkaufen, oder für Deine Arbeit auszugeben! Wenn Du die Anleitung weiter teilen möchtest, nenne mich bitte als Quelle und verweise/verlinke auf meinen Blog!

Detail Haekelspitze Halsband
Detail der Häkelspitze

Die Häkelanleitung für das Halsband



10 LM, mit Kettm zum Kreis schließen

Runde 1: 4 LM, 29 dopp Stb in den Kreis einhäkeln, Kettmasche in oberste LM der Wendekette (zum Kreis schließen)

Runde 2: 4 LM (zählen als Stb und LM), erstes dopp Stb überspringen, Stb in nächstes dopp Stb, *1 LM, Stb in nächstes dopp Stb*ringsherum bis zum letzten doppStb arbeiten, 1 LM, Kettm in dritte LM der Wendekette (zum Kreis schließen)

Runde 3: *5 LM, fM in LM-Schlaufe jeweils zwischen zwei Stb der Vorrunde* 26 Mal, 8 LM, 2 Stb überspringen, fM in letztes Stäbchen der Vorrunde.

Ab jetzt wird nicht mehr in Runden, sondern in Reihen gearbeitet. Arbeit wenden. 

Reihe 1: 4 LM (zählen als erstes dopp Stb), 19 dopp Stb in 8-LM-Bogen aus Runde 3, Kettm in übernächsten 5-LM-Bogen (von der Häkelnadel aus gesehen) des Anfangskreises, wenden

Reihe 2: 4 LM (zählen als Stb + 1 LM), erstes dopp Stb der Vorreihe überspringen, Stb in nächstes dopp Stb, *1 LM, Stb in nächstes dopp Stb* bis zum Ende wiederholen, letztes Stb in oberste LM der Wendekette, wenden

Reihe 3: 5 LM, (Stb, LM, Stb) überspringen, fM zwischen die nächsten beiden Stb der Vorreihe, *5 LM, fM zwischen Stb der Vorreihe* 14 Mal, 8 LM, 3 Stb überspringen, fM in letzten 1-LM-Bogen der Vorreihe (zwischen letztes Stb und Wendekette), wenden

Reihe 4 wie Reihe 1 arbeiten, die 19 dop Stb dabei in den 8-LM-Bogen aus der Vorreihe einarbeiten.

Reihe 5 wie Reihe 2 arbeiten.

Reihe 6: 2 LM, Kettm in fünften 5-LM-Bogen des Anfangskreises (siehe Foto), 2 LM, fM zwischen die ersten beiden Stb der Vorreihe, *5 LM, fM zwischen Stb der Vorreihe* 15 Mal, 8 LM, 2 Stb überspringen, fM in oberste LM der Wendekette, wenden

Reihe 7 wie Reihe 1.

Reihe 8 wie Reihe 2

Reihe 9: 2 LM, Kettm in elften 5-LM-Bogen des vorletzten Fächers (der Reihe nach gezählt, siehe Foto), 2 LM, fM zwischen die ersten beiden Stb, *5 LM, fM zwischen Stb der Vorreihe* 15 Mal, 7 LM, 2 Stb überspringen, fM in oberste LM der Wendekette, wenden

Folgende Reihen: Reihen 7 bis 9 wiederholen, bis die gewünschte Länge des Halsbandes erreicht ist. Ich habe insgesamt 17 Fächer und das runde Anfangsmotiv gehäkelt, um ein Halsband mit 33,5 cm Länge zu erhalten. 

Die letzte Reihe des letzten Fächers weicht ein wenig von den vorangegangenen Reihen aus LM-Schlaufen ab:

Letzte Reihe: 2 LM, Kettm in elfte 5-LM-Schlaufe des vorletzten Motivs, 2 LM, fM zwischen die ersten beiden Stb der Vorreihe, *5 LM, fM zwischen die nächsten beiden Stb der Vorreihe*, 15 Mal wiederholen (bis zum Ende der Reihe), 1 LM, Kettm in elfte 5-LM-Schlaufe des vorherigen Motivs, Faden verwahren.

Bindebändchen: LM häkeln, bis die LM-Kette ca. 40 cm lang ist. Faden verwahren. Auf die Fadenenden jeweils eine Perle aufziehen, Fäden vernähen, dabei die Perlen mit annähen.

Fertigstellen: Alle offenen Fadenenden vernähen. Bindebändchen an den Enden jeweils passend durch die 5-LM-Schlaufen nach Art einer Schnürung fädeln. 

gehaekeltes Halsband Haekelspitze



Wenn Du einen Fehler entdeckst, sag mir bitte Bescheid, damit ich die Anleitung korrigieren kann!

Wenn Du magst, schick mir doch ein Bild Deines Halsbandes - oder was Du sonst aus der Spitze gemacht hast :)

Herzlichst,
Klara

12. Februar 2016

Barbie's Makeover

Auch ich bin mit ihr aufgewachsen: Barbie. Ehrlich gesagt fand ich ja meist die Barbie-Pferde interessanter als die Puppen selbst, aber was mir auffiel: Barbie hatte seltsame Proportionen, insbesondere wenn man sie auf ihre Pferde setzen wollte. Es wird immer wieder behauptet, dass Barbie für ein verzerrtes Selbstbild besonders junger Mädchen verantwortlich sei und mit ihrer superdünnen Figur Essstörungen fördere. Ich weiß nicht, in wie weit es hierzu verläßliche Angaben oder gar Studien gibt. Ich persönlich glaube zwar nicht, dass ein Mädchen allein wegen Barbie magersüchtig wird, aber die Puppe trägt sicher dazu bei, das von der Gesellschaft allgemein propagierte Ideal der schlanken Modelfigur zu zementieren, und ist ein weiteres Steinchen in der überwältigenden Botschaft: Nur dünn sein sei schön.
Heute sagen bereits 10jährige, dass ihre größte Angst ist, dick zu werden, und mehr als jedes dritte 12jährige Mädchen hat schon einmal eine Diät gemacht, Tendenz steigend. Auch unter Jungen nimmt dieser "Körperkult" zu. Kein Wunder also, dass Barbie immer wieder unter Beschuß geriet, ich erinnere mich z.B. an lebhafte Proteste in Berlin vor dem damals neu eröffneten "Barbie Dreamhouse", bei denen die Organisation Pinkstinks Dialog suchte und eine Femen-Aktivistin pressewirksam eine Barbie and einem brennenden Kreuz in die Luft hielt. Nunja. Darüber kann man geteilter Meinung sein.

Denkt man jedoch etwa an "Slumber Party Barbie", die in den 1960er Jahren auf den Markt kam, kann von einem gesunden Verhältnis zum Körper kaum die Rede sein, denn diese Puppe hatte eine Waage dabei, die konstant auf etwa 50kg feststand, sowie ein Büchlein mit dem Titel "How to lose weight" ("Wie man Gewicht verliert"), dessen einziger Inhalt eine Seite mit der Inschrift "Don't eat!" ("Nichts essen!") war. Da fragt man sich wirklich, ob das Mattels Ernst sein kann...

slumber party barbie zubehoer
"Slumber Party Barbie's" unmögliches Zubehör

Und auch die "lebende Barbie" Valeria Lukyanova aka "the Human Barbie" ist nicht gerade ein Vorbild, ihre Maße sind so extrem, dass es ernsthafte Zweifel daran gibt, ob das alles mit natürlichen Dingen zugeht. Sie selbst sagt, lediglich Brustimplantate zu haben, der Rest ihrer Figur sei nur das Ergebnis von Sport und Ernährung, aber sie behauptet ja auch, sich ähnlich einer Pflanze nur von Luft und "Lichtnahrung" zu ernähren und Astralreisen zu unternehmen...
Doch sie ist nicht die einzige "lebende Barbie", es gab und gibt zahlreiche andere, die meist mit Hilfe umfangreicher "Schönheits"-OPs ihrem Idol nacheifern, bis hin zum Äquivalent, dem "lebenden Ken". Die Tatsache, dass es ohne plastische Chirurgie dabei praktisch nicht möglich ist, wie Barbie auszusehen, zeigt dabei schon, welch unrealistisches Ideal diese Puppe zeigt. 
Schon in den 1990er Jahren hat das "Yale Center for Eating and Weight Disorders" umfangreiche Berechnungen an Barbie durchgeführt und untersucht, wie realistisch ihr Körper ist. Eine Infografik  (auf englisch) zeigt interessante Ergebnisse, und mit einem Hals, der zweimal so lang aber deutlich dünner als der durchschnittliche weibliche Hals ist, wäre sie nichtmal imstande, ihren Kopf zu tragen. Ihre Taille ist so schmal, dass nur eine halbe Leber und vielleicht ein halber Meter Darm in ihr Platz hätten, und ihre Füsse sind so winzig, dass sie unmöglich aufrecht gehen könnte. 


Barbie in der Krise

Die andauernde Kritik an Barbie trug sicher ihren Teil dazu bei, dass Mattels Verkaufszahlen in den letzten Jahren stetig sanken. Konkurrenz-Puppen stürmten den Markt, allen voran die Bratz-Puppen, und katapultierten Barbie in eine Krise. Bevor sie nun aus ihrem rosa Traumhaus ausziehen und ihr Cabrio verkaufen muss, kam Mattel scheinbar in Zugzwang. Denn auch die Model-Welt ist nicht mehr ganz so einheitlich 90-60-90 (oder in den letzten Jahren eher 80-50-80), und der Ruf nach mehr Diversität wird zunehmend lauter. Das Plus-Size-Model Tess Holiday hat als erste Frau mit einer Kleidergröße über 50 einen Deal mit einer großen Modelagentur bekommen und die Cover bekannter Zeitschriften geziert. In Hollywood gibt es immer mehr deutliche Forderungen nach mehr Vielfalt, wie gerade an den diesjährigen Oscars gesehen werden kann. Bekleidungsgeschäfte zeigen Schaufensterpuppen mit realistischen Maßen. Es tut sich was. Noch lange nicht genug, aber die Steine sind im Rollen. So gesehen ist das Makeover, dem Mattel seine berühmte Puppe nun unterzogen hat, nicht so revolutionär, wie Mattel das gerne verkaufen würde, sondern vielmehr das Ergebnis eines Zugzwangs, den der Hersteller deutlich fühlen musste.

Die neuen Barbiepuppen: Mehr Vielfalt


Und so kamen jetzt vier neue Barbie-Puppen auf den Markt, um dem Verlangen nach mehr Körper-Vielfalt gerecht zu werden, und zur klassischen Barbie gesellen sich die Modelle "curvy", "tall" und "petite" (also "kurvig", "groß" und "zierlich").

die neuen Barbiepuppen
Ein paar der neuen Barbies in "curvy", "tall" und "petite"

Grundsätzlich finde ich, es ist ein Schritt in die richtige Richtung. Besonders für Barbie, die Jahrzehnte in ihren unrealistischen Proportionen daherstöckelte. Und das Beste daran: Die neue Barbie ist auch nicht mehr nur blond und blauäugig, sondern kommt in einer breiten Palette an Haut- und Haarfarben, mit asiatischen, afrikanischen und Latina-Zügen. In Ansätzen gab es das zwar schon vorher, mir scheint aber, diese Vielfalt wurde ausgebaut, um hoffentlich dazu beizutragen, dass "weiß, blond, dünn und groß" nicht mehr das einzige Schönheitsideal bleibt.

Barbie Fashionista
Barbies "Fashionista" Linie


Ich finde allerdings: Barbie ist nicht mutig genug. Noch immer bleiben diese neuen Puppen konform zum Ideal der Sanduhr-Figur. Es gibt weder eine wirklich dicke Barbie, noch etwa eine sportlich-muskulöse. Möchte man eine sportliche Barbie, kann man ihr nur entsprechende Kleider anziehen und sie mit Zubehör wie Tennisschlägern ausstatten. "Curvy Barbie" ist zwar insgesamt rundlicher, aber immernoch recht idealistisch geformt. Ein Stück weit ist verständlich, warum die neuen Barbie-Körper nicht allzu unterschiedlich wurden, denn mit den neuen Körpern kommt auch die Sache mit neuer Kleidung, denn "Curvy Barbie" passt wohl kaum in "Tall Barbies" Garderobe. Und vielleicht war man auch einfach nicht mutig genug bei Mattel, denn ein gewisses Image will man wohl doch nicht ganz aufgeben. Bleibt zu hoffen, dass dies nicht Barbies letztes Makeover ist.

plus size barbie
So hat sich jemand bei einem Wettbewerb eine "richtige" Plus-Size-Barbie vorgestellt, verglichen mit dem Original. Die runde Puppe ist kein Mattel-Produkt, leider.


Ich persönlich finde es sehr wichtig, dass Kinder mit Puppen spielen können, die mehr Wirklichkeit abbilden, als ein unerreichbares Ideal. Ein erster Schritt in eine gute Richtung ist mit den neuen Puppen getan, ich finde jedoch: Es ist noch nicht genug. Zwar gibt es sogar eine Puppe im Rollstuhl, aber auch hier wurde ein bißchen zurückgerudert: Diese Puppe ist nicht Barbie, sondern "Becky", Barbie's Freundin, zudem derzeit nur noch als Sammlerobjekt zu finden. Aber immerhin auch als "Paralympic Champion"!


      

Barbie ist ein Ideal. Für Kinder (und durchaus auch für Erwachsene) ist es aber wichtig, zumindest ein wenig von sich selbst in Idealen wieder finden zu können. Wir brauchen und wollen positive Rollenmodelle, denen wir nacheifern können. Was ich Barbie zugestehe ist, dass sie "beruflich" oft ziemlich progressiv war, das soll durchaus gelobt werden. Es gab Barbie nicht nur als Luxusweibchen und Prinzessin, sondern auch als Ärztin, Pilotin, Karrierefrau, Fußball- und Basketballspielerin und sie flog sogar zweimal als Astronautin ins All. Und wer ein wenig über Ballett weiß, dem ist auch klar, dass Ballerina-Barbie ganz schön "bad ass" sein kann. Sie deswegen aber als "feministisches Idol" zu feiern, geht doch ein wenig weit, auch wenn Mattel auch das versucht hat, um kritischen Stimmen Herr zu werden.

In Marktforschungs-Versuchen sollen jedenfalls Kinder besonders gern mit der "curvy" Barbie gespielt haben. Vielleicht nimmt Mattel das zum Anlass, beim nächsten Mal seine Barbie noch ein wenig runder werden zu lassen, und das hoffentlich ohne dass eine Horde "concern trolls" rumjammert, dies würde "Übergewicht glorifizieren". Körper kommen in allen Formen, Größen und Farben. Das ist auch gut so. Und sie sind alle schön.

Herzlichst,
Klara

6. Februar 2016

Fabulous Hats! The modern girl's guide to hatmaking

Über die Jahre haben sich in meinem Fundus einige Bücher zu den Themen "Do it yourself", Häkeln, Nähen und auch Hutmacherei angesammelt. Die Qualität dieser Bücher schwankt mitunter stark, und es gibt so viele, dass es mitunter schwer fällt, sich zu entscheiden - zumal schöne Ausgaben oft nicht ganz billig sind. Deswegen möchte ich gern meine Erfahrungen teilen und euch eine Reihe meiner Bücher vorstellen. Meiner Meinung nach findet man die schönsten Anleitungsbücher im englischsprachigen Raum, und die Kollegen in Großbritannien und den USA scheinen generell etwas "weiter" zu sein, außerdem gibt es oft richtig schöne Ausgaben, die man gar nicht mehr aus der Hand legen will. Und keine Angst, so "sophisticated" ist das Englisch oft nicht, mit mittleren Sprachkenntnissen kommt man schon sehr weit, und viele hilfreiche Abbildungen tun oft ein übriges.

Eines meiner liebsten Bücher möchte ich heute vorstellen: "The Modern Girl's Guide to Hatmaking" von Mary Jane Baxter.

modern girls guide to hatmaking buch


Ich habe dieses Buch vor knapp 3 Jahren gekauft und viele Anregungen darin gefunden, anderes will noch ausprobiert werden. Der Inhalt ist übersichtlich aufgebaut, und alles ist liebevoll mit vielen Abbildungen und Photos versehen. Nach einer Einleitung und einigen Worten über die Autorin selbst, geht es ans Eingemachte.

modern girls guide to hatmaking inhalt

Der Inhalt - Einführung


Es gibt eine sehr interessante Übersicht über verschiedene Arten von Hüten und Kopfbedeckungen und über den Hut im Wandel der Zeit. Eine Liste wichtiger und einfacher Zutaten und Hilfsmittel ist als Vorbereitung sehr hilfreich, und hilft, Verletzungen zu verhindern - wer sich schon einmal beim Versuch, eine Nadel durch ein widerspenstiges Stück Stoff zu drücken, das Öhr in den Finger gerammt hat, wird wissen, was ich meine, und einen Fingerhut fortan nicht mehr als lästiges Etwas ansehen :)  Es gibt auch einige Worte zu spezielleren Hutmacher-Zutaten wie Buckram, Hutblöcke, Hutnetz und Schleier oder spezielle Fascinator Bases.
Besonders hilfreich waren für mich auch die erläuterten Grundtechniken, wie verschiedene Handstiche, oder wie man Hutdraht richtig miteinander verbindet. Dabei ist alles mit gezeichneten Anleitungen und bisweilen Photos versehen, so dass man gut nachvollziehen kann, wie gearbeitet wird. Es gibt Anweisungen zum Messen der Hutgröße, und auch eine einfache Anleitung, wie man mit Hutblöcken arbeitet, alles sehr gut nachzuvollziehen. Man erfährt, wie man verschiedene Befestigungen für seinen Hut oder Kopfschmuck wählt und anbringt, wie Kämmchen oder Hutgummi, und auch einen kurzen Styleguide hat Mary Jane Baxter angeschlossen mit Tips, wie man einen für Erscheinung, Anlass und Frisur passenden Hut wählt.

hutmacher techniken


Sehr gut gefallen mir auch die Kapitel zu Verzierungen wie Bändern, Knöpfen oder Broschen, und da ich Stoffblüten über alles liebe, hat mich natürlich auch das ausführliche Kapitel zu verschiedenen Blüten sehr interessiert. Ein paar Techniken kannte ich schon, wie etwa die Verwendung von Bondaweb bzw. Vliesofix oder runde Organzablüten, aber andere Techniken waren ganz neu für mich, so etwa Blüten aus Baumwoll-Organdy oder ihre Technik von Blüten mit Drahtrahmen. Dieses Kapitel hätte ja wegen mir noch umfangreicher sein können, aber die Ideen und Anleitungen sind sehr schön!

stoffblumen selber machen hutmacher

Die Hüte und anderer Kopfschmuck


Jetzt geht es endlich mit den Hüten und Kopschmuck los! Um die Sache so einfach wie möglich zu machen, hat die Autorin die Projekte nach Schwierigkeit in Kapitel eingeteilt. Im ersten Kapitel erwarten uns einfachere Projekte, die man mit ein wenig Geschick und Vorkenntnissen mit einfachen Grundtechniken meistern kann. Es gibt drei Arten Haarbänder von "vintage" bis festlich und zwei einfache, aber sehr effektvolle Hütchen bzw. Fascinator. Und wer hätte gedacht, dass die Pappe von Cornflakes-Packungen zu einem feschen Headpiece werden kann? Aber psst!

headpiece selber machen
Eines der Headpieces, effektvoll, aber gar nicht so schwer und schnell gemacht!

Dabei müssen die Materialien gar nicht immer teuer sein, ein schlichtes, elastisches Haarband im Fifties-Stil wird aus einem ausgedienten T-Shirt gemacht, und für so manches tun es Stoffreste. Ein auffälliger Fascinator wird reich mit Paillettenteilen und Fasanenfedern geschmückt, ist aber dabei einfach zu machen, und von den "Glitzy Glam Headbands" mit Paillettenband kann man gleich eine ganze Kollektion machen, so schön und fix gemacht sind sie. Man muss also kein Hutmacher-Meister sein, um einige schöne Teile sein eigen zu nennen!

vintage hut selber machen


In Kapitel 2 geht es schon mehr zur Sache, für diese Projekte sollte man mit den Basis-Techniken gut vertraut sein, und einigermaßen versiert im Handnähen sein. Aber es lohnt sich! Es gibt ein schickes Headpiece mit Crinoline und Paillettenteil, einen "very vintage" Halbhut mit Spitzenblüten im Vintage-Stil, Haarkämme mit Blüten, ein fesches Fifties-Style-Hütchen mit Spitze und XL-Stoffblumen, einen verspielten Haarreifen mit Organdy-Blumen und ein ganz besonderes Headpiece, das nicht umsonst "Marie Antoinette" heißt.

Kapitel 3 entführt dann in die Welt der "Millinery Magic". Für diese Projekte muss man schon ein wenig mehr Können aufweisen und kann zeigen, was man gelernt hat. Meiner Meinung nach finden sich die schönsten Projekte in diesem Kapitel, einige sind aber doch sehr anspruchsvoll und/oder verlangen nach besonderen und bisweilen nicht ganz billigen Materialien, deswegen habe ich von diesen Stücken bisher nur eines in einer leichten Abwandlung versucht. Besonders schön finde ich den "Button Hat", für den man einen passenden Hutblock benötigt.

Hüte selber machen

Manche der hier vorgestellten Hüte werden auch aus fertig gekauften Filz-Rohlingen gemacht, wie etwa ein ganz besonderer Sommer-Filzhut mit Spitzendetails und eine Cloche mit verzierter Krempe. Dazu werden diese Rohlinge mit Hilfe von Dampf geformt, auch hier sind Hutblöcke oder Hutmacher-Köpfe aus Holz nötig. Leider sind die nicht gerade billig und nicht immer einfach zu bekommen, auf ebay findet man aber bisweilen ganz gute Angebote.

Hutkrempe Spitze Detail

Was zumindest eine ganze Weile sehr im Trend lag, waren Mini-Zylinder, besonders im Zuge der Burlesque-Welle gab es die überall. Mary Jane Baxter hat eine Anleitung hierfür auch in ihr Buch aufgenommen, da sie, wie sie anmerkt, beinahe in jedem Hutmacher-Workshop, den sie geleitet hat, danach gefragt wurde. Diese Mini-Zylinder werden aus Buckram gefertigt und mit Hutdraht verstärkt, dann mit Stoff überzogen und nach Wunsch verziert. Nicht ganz einfach zu machen, aber die Anleitung ist gut verständlich und es gibt auch hier viele Zeichnungen, so dass man, so man will, auch dieses Stück meistern sollte.

Mini Zylinder selber machen

Zum Abschluß gibt es noch ein paar "Cut & Sew"-Modelle, also Hüte und Kopfbedeckungen, die aus Schnitteilen genäht werden, die Schwierigkeit variiert hier, der Fellhut im Russland-Stil sollte recht einfach nachzumachen sein, wird aber durch plüschiges Kunstfell zum auffälligen Designerteil. Auch eine klassische Baskenmütze fehlt nicht, hier ganz britisch aus Tweed genäht, und eine genähte Cloche entführt in die 1920er Jahre. Ein genähter Filzhut mit großer Krempe wird aufwendig verziert und besonders schön und hinreißend romantisch ist der riesige Sonnenhut mit feiner Spitze.

sonnenhut selber machen

Den Abschluß bilden ein paar Ideen, wie man seine Kunstwerke hübsch und effektvoll aufbewahren und präsentieren kann, wenn man sie gerade nicht auf dem Kopf trägt. Für Selbermacher auch sehr hilfreich ist eine Liste von Bezugsquellen, denn gerade Hutmacher-Zubehör ist insbesondere in Deutschland und Österreich nicht immer einfach zu bekommen, und oft lohnt es sich, die Teile in Großbritannien zu bestellen. Viele Anbieter haben Online-Shops, und die Versandkosten sind meist nicht allzu hoch. Ein wenig googeln lohnt sich, gerade mit englischen Stichwörtern!

Zum Schluß gibt es die Vorlagen und Schnitteile, die man für die verschiedenen Projekte benötigt. Diese sind auch in Originalgröße abgebildet, so dass sie einfach kopiert oder abgepaust werden können.

Insgesamt ein wunderschönes Buch mit vielen Anregungen und Ideen für Kopfschmuck und Hüte vielerlei Art. Für manche braucht man etwas Mut, andere, wie die Haarbänder, kann man gleich in vielfacher Ausführung machen, um für verschiedene Outfits etwas Passendes zu haben. Mir gefällt vor allem auch die liebevolle und detailreiche Aufmachung, so wird es auch zum Genuß, nur darin zu blättern und sich inspirieren zu lassen, auch wenn man gerade keins der Projekte nachmachen will. Die Qualität des Buches ist sehr gut, das Papier ist schön fest und der Paperback-Einband stabil, so dass man lange Freude daran hat.

Leider, so scheint es, ist das Buch momentan "out of print", ist aber noch gebraucht zu bekommen, am einfachsten über Amazon, vielleicht auch bei ebay. Ich kann es jedenfalls sehr empfehlen, wenn man Lust hat, mehr über Hutmacherei zu erfahren und lernen möchte, Hüte und Kopfschmuck von einfach bis hin zum Masterpiece zu machen.

Ein Klick auf die Bildchen führt Dich direkt zu Amazon:

  

Es gibt von Mary Jane Baxter noch ein weiteres Buch mit Ideen nicht nur für den Kopf, sondern auch Schmuck, Broschen, Taschen und vieles mehr, dem ich mich bald in einem eigenen Post widmen möchte. Dieses gibts sogar auf deutsch :)

Herzlichst,
Klara


P.S. Hier noch ein paar Bilder von Projekten, die ich nach Anleitungen oder Anregungen aus diesem Buch gemacht habe. Meine kleine Schwester durfte modeln, und wir hatten sichtlich Spaß :)

headpiece selbst gemacht polka dots schleife
Meine Version des "Teardrop Emergency", mit Samtschleife und Federn anstatt Stoffblume

headpiece fascinator tuell bluete
Eine Variante bezogen mit Pepita-Stoff mit rüschiger Tüllblüte

haarreif selbst machen samt
Für diesen Haarreife habe ich mich von Mary Jane Baxter inspirieren lassen, meiner ist schlichter und ohne Schleier und damit auch im Alltag tragbar, mit Rosetten aus Samtband anstatt Ripsband. Wie man diese schönen Rosetten macht, findet man im Buch! War zuerst etwas friemelig, aber hat man den Dreh heraus, geht es ganz einfach.